No prep, no prime und andere Antworten

So einfach sagen die Engländer, wozu wir ein paar Worte mehr brauchen. Und so simpel wirbt Annie Sloan selber für ihre Farbe, Chalk Paint Dekorative Farbe. Keinerlei Vorbehandlung, kein Grundieren. Und etwas ausführlicher: Chalk Paint hält auf praktisch allen Untergründen (*), ohne dass diese abgelaugt oder abgeschliffen werden müssen, ein Grundierungsanstrich ist ebenfalls nicht nötig. (*) Also nicht nur auf rohem Holz, sondern auch auf alten Lacken und Anstrichen, ebenso wie auf Metall, Stein, Textilien, Marmor…

Aber auch für Chalk Paint von Annie Sloan gilt: keine Regel ohne Ausnahme. Manche Lacke sind so klarglänzend und glatt, dass sie ein bisschen angeschliffen werden müssen. Manche Anstriche, oder auch die holzeigenen Gerbstoffe (Tannin) in einem Möbel sind so hartnäckig, dass sie den Chalk Paint Anstrich verfärben, „durchbluten“, dann empfiehlt es sich, diese durch eine Grundierung zu versiegeln, z. B. mit Schellack.

Ich möchte hier ein paar Fragen beantworten, die mir im Laden oder in Workshops gestellt werden und nach deren Antworten auch auf dem Blog oder der Webseite von indiid gesucht wird (das kann ich in den Statistiken nachlesen *smile*).

Weshalb wird Chalk Paint abschliessend gewachst?
Chalk Paint ist eine Farbe auf Wasserbasis und enhält Kreiden, Pigmente und Harze. Chalk Paint Anstriche fühlen sich pudrig, kreidig an und sind empfindlich gegen Stösse und Kratzer; Wasser oder andere Flüssigkeiten können Flecken hinterlassen. Deshalb wird der Anstrich mit Wachs versiegelt. Die Wachse der Annie Sloan Linie enthalten Bienen- und Carnaubawachs und flüchtige, organische Verbindungen. Je nach Umgebungstemparatur härtet das Wachs in fünf bis 21 Tagen aus. Danach ist der Anstrich durch das Wachs widerstandsfähig gegen Stösse, Kratzer und Flüssigkeiten. Das Wachs sollte sparsam und sorgfältig aufgetragen werden. Weil es VOC (flüchtige organische Verbindungen) enthält, sollte es nur in einem gut durchlüfteten Raum oder im Freien aufgetragen werden. Schwangere sollten nicht mit dem Wachs arbeiten.

AnnieSloan2011_95
Können Möbel für den Aussenbereich mit Chalk Paint gestrichen werden?
Ja, können sie. Chalk Paint ist eine dekorative Farbe, keine Schutzlasur und kein Lack für den Aussenbereich. Das heisst mit Chalk Paint gestrichene Möbel für den Aussenbereich sind nicht vor den Auswirkungen der Elemente geschützt. Der Anstrich bleicht in der Sonne aus und verwittert. Möbel für den Aussenbereich, die dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sind, sollten NICHT gewachst werden. Das Wachs reagiert mit den Strahlen des Sonnenlichtes und die Farbe blättert ab. Möbel für den Aussenbereich sollten im besten Falle aus rohem Holz bestehen (keine alten Anstriche oder Lacke), damit die Farbe ins Holz einziehen kann. Es empfiehlt sich den Anstrich mindestens sieben Tage ruhen zu lassen und die Möbel erst nach dieser „Schonzeit“ ins Freie zu stellen. Der Anstrich kann mit einem feuchten Lappen vom offensichtlichen Kreidestaub befreit werden.
Wer Möbel für den Aussenbereicht mit Chalk Paint streichen möchte, kann diese natürlich anschliessend mit einem handelsüblichen Lack für den Aussenbereich versiegeln.
Gartenmöbel bestehen oft aus besonders ölhaltigem Holz (z.B. Teak). Genau diese Holzarten eignen sich jedoch nicht für einen Anstrich mit Chalk Paint, weil die wasserlösliche Farbe sich nicht mit dem ölhaltigen Holz verbinden kann.

AnnieSloan-chalkpaint-pot
Kann ich einen Esstisch mit Chalk Paint streichen?

Natürlich! Weil jedoch gerade die Tischplatte sehr beansprucht wird und täglich mehrmals gereinigt werden muss, empfiehlt es sich den Anstrich anschliessend mit einem Lack zu versiegeln. Das natürliche Wachs bietet zu wenig Schutz gegen Hitze, Öle und regelmässiges feuchtes bis nasses Reinigen.

Wie weit reicht ein Liter Chalk Paint?
Gemäss den Angaben auf der Chalk Paint Dose reicht ein Liter für ca. 13 Quadratmeter; das ist ein ungefährer Richtwert. Chalk Paint hat eine sehr gute Deckkraft und oft reicht, im Vergleich zu anderen Farben, ein Anstrich aus. Chalk Paint hat eine eher dicke, pastöse Konsistenz und wer gerne mit dünnerer Farbe arbeitet, kann Chalk Paint einfach mit Wasser verdünnen. Natürlich reicht die Farbe dann auch weiter. Andererseits können mehrere Anstriche nötig sein, um die gleiche Deckkraft zu erreichen. Falls die Farbe zu dünn ist, kann die Dose einfach ein, zwei Stunden unverschlossen stehen gelassen werden, die Farbe „dickt“ dann ein. Die Aussage „a little goes a long way“ trifft auf Chalk Paint sehr gut zu:

Dovetails one day one litre Kann man Chalk Paint nicht auch viel günstiger selber herstellen?
Nein, kann man nicht. Es sei denn man kennt sich sehr gut mit den natürlichen Pigmenten, Harzen und Kreiden aus und kennt die richtigen Mischverhältnisse. Kann man in handelsübliche Acrylfarben nicht einfach ein bisschen Kreide schütten und dann hat man praktisch das gleiche Resultat nur viel günstiger und sogar noch in einer grösseren Farbenpallette? Ja, das kann man. Allerdings hat man dann einfach mit Kreide angereicherte Acrylfarbe und die ist nicht wie Chalk Paint aus überwiegend natürlichen Inhaltsstoffen hergestellt.

Wie eingangs erwähnt, werden fast alle dieser Fragen an einem Chalk Paint Workshop (Kreativtag auf dem Lande) beantwortet. Und natürlich können auch noch weitere Fragen gestellt und Tipps abgeholt werden. Zudem ist so ein Kurs eine wunderbare Gelegenheit, andere kreative Leute mit Freude an Farbe und alten Möbeln kennen zu lernen!

In den Kommentaren könnt Ihr natürlich auch Fragen stellen oder Anregungen hinterlassen. Ich freue mich immer sehr über ein Feedback!

Heidigruess

5 Gedanken zu “No prep, no prime und andere Antworten

  1. Astrid schreibt:

    Wie schön, dass du bei mir kommentiert hast…so bin ich auf deinem tollen Blog gelandet! Schade, dass ich nicht an deinen Workshops teilnehmen kann…ich hätte auch so einige Fragen. Habe die Farbe schon zuhause und wollte damit einen Sessel (den Stoff) streichen. Eine Probe hat mich nicht so überzeugt…kanst du mir da auch einen Tipp geben? Staubt die Farbe immer aus dem Stoff oder gibt es noch einen Trick! Würde mich über eine Profiauskunft sehr freuen!
    LG Astrid

    • Heidi schreibt:

      Liebe Astrid
      selber habe ich noch keine Sessel- oder anderen Bezüge gestrichen. Ich gebe hier quasi Informationen aus zweiter Hand weiter: die Farbe verdünnen und den Bezug ebenfalls „anfeuchten“, z.B. mit einem Wasserspritzer, wie man ihn auch für Pflanzen verwendet. Falls mehrere Anstriche nötig sind, ev. zwischen den einzelnen, gut getrockneten Anstrichen den Bezug bürsten und so von „Kreidepuder“ befreien. Einge wachsen den Bezug anschliessend, was dann einen lederähnlichen Griff ergibt. Ich habe schon gelesen und in einem kleinen Clip gesehen, dass die Farbe nicht mehr „nachstaubt“ und keine Spuren auf den Kleidern hinterlässt, wenn sie vor dem „Besitzen“ gut ausgebürstet wird. (Ev.sogar feucht abreiben.) Je dicker der Stoff ist (Samt, samtähnlich…) umso… (ach, mir kommt nur ein Mundartausdruck in den Sinn!) „härter“ wird er durch das Streichen, das Ausbürsten zwischen den einzelnen Anstrichen kann da eine Hilfe sein.
      Ich hoffe, dass dir diese „Second Hand“ Tipss eine Hilfe sind! Und würde mich freuen, von deinen Erfahrungen zu lesen!
      Auf deinem Blog schaue ich bestimmt wieder vorbei, ich mag es nämlich sehr!
      Heidigruess

      • Astrid schreibt:

        Liebe Heidi,
        danke für die Tipps. Werde mich danach richten und mich an meinen Sessel wagen.
        Falls es was wird werde ich auf meinem Blog berichten. Sonst ist die Farbe so toll…ich liebe sie!
        LG Astrid

  2. Sarah schreibt:

    Hey Heidi,
    du, hast du Möbel in AnnieSloanOldWhite und PureWhite gestrichen? Und die vielleicht hier irgendwo auf deiner Webside, dass ich die Unterschiedlichkeit der Töne sehen kann?
    Ich hab ne Farbpalette von AnnieSloan da..bin aber trotzdem noch nicht entschlossen, welches Weiß ich nehmen soll –
    Wär super, wenn du mir weiterhelfen kannst!! 🙂
    Liebe Grüsse
    Sarah

    • Heidi schreibt:

      Liebe Sarah
      ich habe schon einige Möbel mit Old White gestrichen und einige davon sind sicher auch im Blog, auf der Webseite oder auf der FB Seite von indiid abgebildet. Mit Pure habe ich noch keine Möbel gestrichen. Auf die digitale Darstellung von Farben würde ich mich allerdings nicht verlassen, die kann doch von Foto zu Foto (Belichtung) und von Bildschirm zu Bildschirm anders sein. Aber ich kann dir ein bisschen etwas zu den Weisstönen sagen und das hilft dir dann vielleicht zusammen mit der Farbkarte. Old White ist das beliebteste Weiss der Annie Sloan Linie, es ist ein kalttoniges Weiss und man kann die anderen Farben herrlich damit aufhellen und erhält eher gedeckte Pastelle. Pure ist, wie es der Name schon sagt, ein ganz reines Weiss und hat daher auch eine etwas „schlechtere“ Deckkraft, d.h. du musst, gerade bei dunklem Untergrund, damit rechnen, dass du zwei, ev. sogar drei Anstriche brauchst. Wenn du mit Pure Pastelle herstellen möchtest, dann gibt das strahlende Farben. Mir persönlich gefällt Pure nicht, es ist mir zu kalt, zu „stark“, zu steril und sogar ein bisschen unfreundlich. Das dritte Weiss habe ich noch gar nicht erwähnt: Original ist ein eher warmtoniges Weiss und auch damit kannst du die anderen Farben aus der Chalk Paint Palette aufhellen. So, ich hoffe, dass dir diese Hinweise etwas bei der Entscheidung helfen können!
      Herzlich Heidigruess

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